Vereins Chronik 1914-1989
Obschon der Velo-Moto-Club Rheineck 1989 sein 75-JahrJubiläum feiern kann, also der Gründung von anno 1914 gedenkt, kann der Chronist nicht umhin, noch einige Jahre weiter zurückzublenden. Weisen doch erste Aufzeichnungen ins Jahr 1906 zurück. Damals fanden sich sportbegeisterte Radfahrer zusammen, mit dem gemeinsamen Ziel vor Augen einen Verein zu gründen.
Es sind denn auch am 15. August 1906 in der Wirtschaft zur "Post" elf wackere Mannen um Wirt B. Caflisch zusammengetreten, um einen Verein ins Leben zu rufen. Sogleich wird ein Vorstand bestellt, dem nebst dem initiativen Wirt noch Uhrmacher Jakob Tobler, Apotheker Gottfried Iller sowie Konrad und Ernst Lutz angehören. Bereits zehn Tage später trifft man sich zu einer weiteren Versammlung, legt auch schon den Statutenentwurf vor und erfreut sich 15 Anwesender. Es wird dem Schweizer Velobund beigetreten und eine erste Ausfahrt führt nach Berneck.
Dass es dem Verein durchaus ernst ist mit seinen Aktivitäten, ist daraus zu ersehen, dass bereits 1907 Fahrwart Kuhn zur Delegiertenversammlung nach Olten beordert wird. Dafür entrichtet der junge Verein ein Dritteklasse-Billet und fünf Franken Weggeld. Kurz darauf wird Kuhn an einen Fahrwart-Kurs nach Basel delegiert. Dafür leistet der Verein 30 Franken. Zusätzlich wird dem Fahrwart ein halber Taglohn zugesprochen. Per Inserat im "Allgemeinen Anzeiger" werden Sportskollegen gesucht und Kaufmann Bollag schenkt das erste Fahnentuch. Ebenfalls 1907 wird eine Sportbekleidung angeschafft. Anlässlich der Fahnenweihe des Radlerclub Flawil amtiert man als Patensektion. In diesen Jahren wird das Schulfahren sehr rege geübt. So hält denn der dann zumalige Aktuar, Walter Gasser, im Jahresbericht von 1907 fest, dass in diesem Schulfahren einiges geleistet worden sei, und wenn die Sache mit noch mehr Eifer an die Hand genommen werde, ein Festchen gelingen und man mit anderen Vereinen konkurrieren könne. Wöchentlich wird einmal geübt und dazu werden strenge Vorschriften erlassen welche bei Nichtbeachten mit 20 Rappen Busse geahndet werden; im Wiederholungsfall sind es gar 40 Rappen und das Zuspätkommen zieht 30 Rappen Strafe nach sich.
Auch die Frage eines Hornes beschäftigt den jungen Verein. Um dieses Requisit, lange Zeit unerlässlich für einen radelnden Veloclub, beliebt zu machen, legen acht Mitglieder je Fr. 2.50 zusammen. Es werden denn auch Skizzen angefertigt und Offerten eingeholt, doch der Preis für diese Anschaffung bleibt ausser Reichweite. Jedenfalls wird der Beschluss gefasst, von einer Hornanschaffung sei Umgang zu nehmen und die inzwischen auf 25 Franken geöffnete Hornkasse sei in einen Fahnenfonds einzulegen.
Viel Idealismus prägt das Vereinsleben in dieser Zeit. Nicht nur dass die Mitglieder die Kosten für Konkurrenzen selber tragen, nein, Mitgliedern welche ein Fest nicht besuchen wollen, wird eine Busse von zwei Franken auferlegt. Zudem müssen diese die Einsatzkosten trotzdem bezahlen.
Wichtige Voraussetzung beim Korso-Fahren sind die geschmückten Räder. Blumen und ein mit Rat und Tat beistehender Gärtner sind also gefragt. Einer möglichst effektvollen Dekoration kommt dabei ein enormer Stellenwert zu, sollen das hohe Preisgericht und das Publikum gleichermassen vorteilhaft beeindruckt werden. Zehn Franken pro Rad sind die Voraussetzung um erfolgversprechend in Konkurrenz treten zu können. Was wundert's, dass es denn auch nicht zuletzt die grosse finanzielle Belastung ist, die den anfänglichen Schwung zum Erliegen bringt und den Trupp der Aktiven immer kleiner werden lässt. Im Juli 1909 ist es dann soweit, eine Versammlung von noch sechs Getreuen bestätigt den schon zuvor gefassten Entschluss zur Auflösung des Vereins.
Die Gründerjahre
Nicht einmal fünf Jahre nachdem der Vorläufer des Velo-Clubs Rheineck den Geist aufgegeben hat, erfolgt am 7. Mai 1914 die eigentliche Gründung des Vereins. Konditor Ulrich Heller übernimmt als erster Präsident das Zepter. Das Restaurant Seilbahn wird zum Vereinslokal bestimmt und recht straffe Bedingungen zur Fahrschule, welche vorerst wöchentlich einmal abgehalten wird, werden erlassen. So werden 20 Rappen Busse für zu spätes Erscheinen und gar 40 Rappen für gänzliches Fernbleiben erhoben. Die Satzungen werden weitgehend vom früher bestandenen Verein übernommen, jedoch die Berechtigung für Auflösung des Vereins für unmöglich erklärt, solange er wenigstens vier Mitglieder zählt. Dies mag ein Indiz dafür sein, dass die Gründermitglieder gewillt sind, auch bei Minimalbestand durchzuhalten. Das noch zarte Pflänzlein wird denn auch mit einem gespendeten Fass Bier tüchtig eingeschwemmt. Wieweit sich das dann auf die bereits am nächsten Tag durchgeführte Radlerschule ausgewirkt hat, geht aus den Aufzeichnungen aber nicht hervor.
Am 6. Juni kommt der Verein zur ersten Versammlung zusammen und beschliesst per 1. August 1914 dem SRB beizutreten. Einem Vorstoss zur unentgeltlichen Beförderung der Velos mit der Drahtseilbahn Rheineck-Walzenhausen, welcher gemeinsam mit dem Veloclub Walzenhausen unternommen wird und nur SRB-Mitgliedern zugutekommen soll, ist kein Erfolg beschieden.
Natürlich haben dann die Kriegsjahre bis 1918 prägend auf das Vereinsleben Einfluss. Gar mancher Eintrag im Protokollbuch gibt der Hoffnung auf endlich bessere Zeiten, dem Wunsch auf Beendigung des sinnlosen Völkermordens und damit wieder freier Entfaltung auch des Vereinslebens, Ausdruck.
Natürlich haben dann die Kriegsjahre bis 1918 prägend auf das Vereinsleben Einfluss. Gar mancher Eintrag im Protokollbuch gibt der Hoffnung auf endlich bessere Zeiten, dem Wunsch auf Beendigung des sinnlosen Völkermordens und damit wieder freier Entfaltung auch des Vereinslebens, Ausdruck.
1915 vergibt der SRB einen Fahrwartkurs nach Rheineck. Dies wirkt sich auf ein gesteigertes Fahrschul-Training aus; schliesslich will man beim Empfang der Kursteilnehmer wenigstens das Auf- und Absteigen beherrschen. Auch neue Mützen werden angeschafft. Gemeinsam mit den befreundeten Vereinen Walzenhausen und Heerbrugg werden in dieser Zeit Ausfahrten unternommen. Überhaupt sind die sonntäglichen Ausfahrten rege besucht und sie führen teilweise über respektable Distanzen. So etwa nach Walenstadt für eine Ganztagestour. In diese Zeit fällt auch die Gründung des Rheintalischen Gauverbandes, dem sich auch der Veloclub Rheineck anschliesst.
Einiges Kopfzerbrechen bereitet dem jungen Verein die Hinterlassenschaft seines Vorläufers. 50 besteht noch ein Fonds bei der Bank Specker aus dem Nachlass des gescheiterten Vereins von 1909. Es braucht denn einiges Verhandlungsgeschick und schliesslich die Verlegung des Vereinslokals vom Restaurant Seilbahn ins Hotel Hecht. Da das Seilbähnli die Auflage wonach das Vereinslokal in Rheineck zu stehen habe nicht erfüllt, ist man gezwungen in den Hecht zu zügeln. Diese Angelegenheit beschäftigt gar den schweizerischen Verband. Im Winter 1915/16 werden durch Vereinsbeschluss Gesangstunden eingeführt. Dafür werden eigens Statuten aufgesetzt und damit deren Ernsthaftigkeit unterstrichen. Unter Lehrer Paul Hörler finden sich zahlreiche Sangesfreudige wöchentlich einmal zu Probe ein. Doch ist dann dieses Pflänzlein im Jahre 1923 Wieder verwelkt, wie in einer Kurzgeschichte des seiner zeitigen Aktuars anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums nachzulesen ist. Leider sind Aufzeichnungen aus den Jahren 1917 bis 1939,
die über diese grosse Zeit des Veloclubs Rheineck Aufschluss geben würden, nicht mehr vorhanden. So ist insbesondere der Werdegang des Veloclub zur grössten 5RB-Sektion nicht mehr nachvollziehbar. Damals wichtigster Grund für diese Entwicklung ist natürlich die Nähe zur Grenze. Zum Passieren derselben mit dem Velo wird ein besonderer Ausweis benötigt, für welchen der SRB als Vermittler zuständig ist. Dieses sogenannte Triptik muss alljährlich eingelöst werden und ist vor allem auch für die Landwirte, welche Schweizer Riet in Vorarlberg besitzen oder in Pacht haben, von einiger Bedeutung.
Die Zeit des Zweiten Weltkrieges
Im Jahre 1939 erleidet der Verein eine recht empfindliche Mitgliedereinbusse. Von 438 Mitgliedern 1938 schrumpft der Bestand um 110 Mitglieder auf deren 328 per Ende 1939. Geschlossene Grenzen einerseits und Aktivdienst anderseits lassen das Vereinsleben nur erschwert in Bahnen halten, auch das Interesse an den SRB-Karten schwindet beträchtlich. Es wird auch auf eine Abendunterhaltung verzichtet. Doch 1941 wird wieder eine solche über die Bühne gebracht. Sechs neue Reigenmaschinen werden in Auftrag gegeben. Kostenpunkt 1400 Franken! Trotz Aktivdienstzeit werden verschiedene, auch grössere Ausfahrten durchgeführt. Doch macht sich allmählich die Materialverknappung bemerkbar, sind doch je länger je weniger Ersatzteile zu erhalten.
Ende 1942 stirbt Gründermitglied Albert Kehl. Dann werden in Gemeinschaft mit dem Fussball-Club recht erfolgreich Abendunterhaltungen durchgeführt. Und 1944 wird erstmals eine Jugendgruppe erwähnt. Diese umfasst zehn Mitglieder.
Die vierziger Jahre nach dem Krieg
1946 formiert sich der Vorstand vollständig neu. Ernst Hasler übernimmt das Präsidium und die Reigenfahrer verlegen ihr Übungslokal vom "Adler" ins "Schiff" Buriet. An der Hauptversammlung von 1947 wird Eddy Brühwiler, als junges Neumitglied, zum Reigenleiter gewählt. Dies wird Ausgangspunkt für so manchen grossen Erfolg von Rheinecker Kunstradfahrern.
An der erstmals durchgeführten Burgstockstafette nehmen 1948 neun Mannschaften teil. Trotz guter Vorsätze, diese Stafette zu einem festen Bestandteil im Veranstaltungskalender werden zu lassen, scheitert bereits die zweite Auflage dieses Unternehmens mangels an Teilnehmern. Sorgen bereitet auch das Trainingslokal für die Kunst- und Reigenfahrer; nachdem sich der "Ochsen", Thal, und die "Traube" im Buchberg als nicht gerade ideale Orte erweisen, wird die Möglichkeit im Gemeindeschuppen abgeklärt.
Grenzerleichterungen in den Fünfzigern
Eine Gruppe begeisterter Radler umrundet den Bodensee auf dem Hochrad. Dabei ergeben sich manch wertvolle Kontakte, und Freundschaften über Jahrzehnte werden geknüpft.
Ein Waldfest im "Bisewäldelinschliesst mit einem Überschuss von 1‘300.- Franken ab. Ueli Höhener wird zum Ehrenmitglied ernannt.
Nachdem 1948 Hermann Giezendanner das Vereinsruder übernommen hatte, worauf ihm 1950 Burkhard Eggenberger gefolgt war, ist der Zweijahresturnus mit der Steuerübernahme durch Emil Kürsteiner im Jahre 1951 durchbrochen. Im selben Jahr endet eine Sauserfahrt auf dem Bodensee mit einem finanziellen Fehlschlag. Und bereits ein Jahr darauf wechselt das Präsidium erneut. Johann Frey tritt das verantwortungsvolle Amt an. Mit der Ausrichtung des Ostschweizerischen Radsportfestes hat er gleich die Feuertaufe zu bestehen. Im selben Jahr bildet sich eine Solex-Gruppe und die Sektion Wolfhalden löst sich auf. Was in Wolfhalden übrig bleibt, wird von Rheineck übernommen mit allen Rechten und Pflichten.
Auch das Jahr 1953 scheint, ähnlich dem Jubiläumsjahr, ein Wespen- und Hornissenjahr gewesen zu sein. So hält der Aktuar protokollarisch fest, dass an der Sitzung im "Schiff", Altenrhein, vier Hornissen im Kampf getötet werden. 375 Radfahrer und 17 Motorfahrer gehören dem inzwischen in Velo-Moto-Club Rheineck umgetauften Verein an. Z um zweiten Mal wird 1954 die Abendunterhaltung auch in Wolfhalden aufgeführt. Einige Anstrengungen werden im Orientierungsfahren unternommen, ohne dass allerdings ein eigentlicher Durchbruch gelingt. Das Duo Brühwiler/Spiess gehört im Zweierkunstfahren zur nationalen Spitze. Die Delegiertenversammlung des KRV wird 1955 im Hotel Hecht organisiert. Der Verein weist 421 Mitglieder aus, wovon allerdings nur fünf Prozent sich aktiv am Geschehen beteiligen.
Endlich, im Jahre 1956 werden die Triptiks abgeschafft, dies bedeutet einerseits eine grosse Erleichterung im Grenzverkehr, anderseits geht ein gewichtiger Anreiz für die Mitgliedschaft im SRB verloren. Ein Mitgliederschwund ist über Jahre hinweg nicht aufzuhalten.
Hoffnungsvolle sechziger Jahre
Nachdem Johann Frey den Vorsitz kurzzeitig an Ueli Höhener übergeben hat, sind es in den sechziger Jahren Willi Rohner und Ernst Krüsi, die in jungen Jahren
das Vertrauen für das Präsidium übertragen erhalten. Verschiedentlich tut man sich als Mitorganisator und Mitgestalter von Fasnachtsanlässen hervor. Auch eine erneute Auflage des Waldfestes im "Bisewäldli" wird erfolgreich durchgeführt und der Erfolg darf sich schliesslich auch in finanzieller Hinsicht sehen lassen.
Mit dem zuendegehenden Jahrzehnt mehren sich die grossen Erfolge der Kunstradfahrer Silvia Brühwiller und Peter Eberhard. Hoffnungsvoll blickt ein interessiertes Fachpublikum auf die beiden vielversprechenden Rheinecker Talente.
Erfolgreiche Kunstradfahrer in den siebziger Jahren
Die grossen Anstrengungen, welche Eddy Brühwiler mit Silvia Brühwiller und Peter Eberhard mit gesteigertem Trainingsaufwand unternimmt, tragen Früchte. Mit viel Idealismus und grosser Sachkenntnis führt er seine Schützlinge an die nationale Spitze. So erkämpft Silvia Brühwiller 1971 erstmals den Schweizer Meistertitel; sowohl Peter Eberhard als auch die Schweizer Titelhalterin erreichen je einen vierten Rang an den Welttitelkämpfen. Es verwundert denn auch nicht, wenn als Folge sich das Vereinsgeschehen im Wesentlichen um das Kunstradfahren dreht. Bereits 1972 erreicht auch Peter Eberhard seinen ersten Schweizer Meistertitel. Zudem verbessert er sich an den Weltmeisterschaften auf Platz drei. Anlässlich der Abendunterhaltung ehrt SRB-Zentralpräsident Karl Graf die Weltmeisterschaftsteilnehmer. Erneut gewinnt Peter Eberhard 1973 die Bronzemedaille an der WM und 1974 werden sowohl Peter Eberhard als auch Silvia Brühwiller Schweizer Meister. Aber auch international sind ausgezeichnete Platzierungen an Länderkämpfen und Meisterschaften zu verzeichnen.
Erstmals wird 1976 die Drei-Länder-Radwanderfahrt in Zusammenarbeit mit Grabs organisiert. Im Zeichen eines erneuten Velo-Booms finden während der Sommermonate wöchentlich Abendausfahrten unter dem Titel "Blieb fit-fahr mit" statt.
An der 7oo-Jahr-Feier des Städtchens am Alten Rhein, führt der VMC ein gemütliches Beizlein in Zusammenarbeit mit der Burgchuchi. Neben den Erfolg gewohnten Titularen gelingt 1977 auch Remo Friberg bei den Jugendmeisterschaften der Sprung aufs Treppchen. Die Bronzemedaille ist Krönung seiner noch jungen Karriere. In der Neumüli-Turnhalle wird der Bodensee-Final ausgetragen und unseren Sportlern und Sportlerinnen gelingen durchwegs Spitzenresultate. Erstmals werden Radballmaschinen angeschafft und 1979 wird auch das erste Radball-Grümpelturnier mit 51 Mannschaften durchgeführt. Mit dem zuendegehenden Jahrzehnt verabschieden sich dann unsere zwei Grössen aus dem aktiven Kunstrad-Szenario. Am Ende einer langen und erfolgreichen Karriere, die ihm fünf Schweizer Meistertitel und zahlreiche Ehrenplätze an Weltmeisterschaften eintrug, verabschiedet sich Peter Eberhard als vorbildlicher Sportler. Silvia Steiner-Brühwiller, inzwischen Mutter geworden, hat sich nach einer Pause nochmals aufgerafft, und ihre Laufbahn mit einer feinen Bronzemedaille an den Weltmeisterschaften in Schiltigheim beendet.
Bewährtes und Neues in den achtziger Jahren
Nach dem Abtreten der Tenöre vom aktiven Sportgeschehen widmet sich der unermüdliche Eddy Brühwiler mit Ausdauer und Energie dem Nachwuchs. Assistiert von Ursula Frey und später von Kurt Anderegg wird grosse Aufbauarbeit geleistet.
Sowohl im Reigenfahren, wo Rheineck im Vierer- und Sechser-Einrad konkurriert, als auch in den verschiedenen Einer-Kunstfahr-Kategorien bei der Jugend werden zahlreiche ausgezeichnete Klassierungen herausgefahren. Auch Enttäuschungen bleiben nicht aus. So sind immer wieder Abgänge von hoffnungsvollen Jugendlichen, denen neben dem durchaus vorhandenen Talent, der noch fast wichtigere Durchhaltewille fehlt, zu verzeichnen. Neben dem Kunstradfahren findet der Radballsport, welcher 1979 im VMC Rheineck durch ein Grümpelturnier Fuss fasste, jährlich steigendes Interesse. Beteiligten sich im ersten Jahr des Turniers 51 Mannschaften, so sind es bei der dritten Auflage bereits deren siebzig. Eine Aufgabenteilung drängt sich auf; Mano Steiner übernimmt die Verantwortung für den Radballsektor. Unentwegte Hobbyradballer trainieren ganzjährig in der Turnhalle und ein Freundschaftscup wird aus der Taufe gehoben, welcher unter Gleichgesinnten aus Grabs, Diepoldsau, St. Georgen und Rheineck ausgetragen wird.
Im Kunstradfahren bringt es Vincenzo Mannino inzwischen zu internationalen Einsätzen, dabei trägt er die Farben Italiens. Zu Trainingszwecken geniessen die Aktiven mit ihren Trainern wiederholt im deutschen Trainingszentrum in Ludwigshafen Gastrecht und anlässlich von Sommerlagern wird dort eifrig trainiert und auch die Kameradschaft kommt nicht zu kurz.
Der VMC tritt aber auch als gewiegter Organisator in Erscheinung. 1984 wird der Saalsport-Jugendwettkampf Schweiz - Österreich ausgerichtet und im selben Jahr geht der erste Niklaus-Pokal in der Neumüliturnhalle über die "Bretter". Dieses Pokalturnier wird fortan im Zweijahresrhythmus in Rheineck organisiert. Anlässlich von Hobby-Tagen unserer Schule instruiert Jörg Osterwalder, vielfacher Schweizer Meister, wiederholt im Fach Radball die interessierten Schüler. Das BMX-Rad, ein vielgängiges Gelände- und Allzweckrad, steht im Begriff den Radsportfreund zu erfassen und die Gelegenheit im Jahr der Jugend (1984) erfassend, führt der Veloclub ein BMX-Geschicklichkeitsfahren durch. Den hohen Grad ihres Könnens demonstrieren Fahrer der BMX-Gruppe Herisau.
Einen eigentlichen Höhenflug erlebt aber das Einrad-fahren in der Halle, wo unter der Leitung von Kurt Anderegg verschiedene Eltern mit ihren Kindern einem recht intensiven Training obliegen. Wer weiss, vielleicht tritt einer der begeisterten Benjamine dereinst in die Fussstapfen von Peter Eberhard oder Silvia Steiner-Brühwiller.
Schliesslich kommt es im März 1989 zu einer eigentlichen Wachtablösung. Eddy Brühwiler übergibt das Präsidium nach 14jährigem umsichtigem Wirken an Manfred Steiner.So hat denn der VMC Rheineck in einer wechselvollen Entwicklung sein fünfundsiebzigstes Geburtsjahr erreicht. Geprägt von Höhen und Tiefen menschlichen Daseins, haben ihm im Laufe dieser Zeit viele Gesichter und ebenso viele Charaktere den Stempel aufgedrückt. Auch wenn gar manchmal im Auf und Ab dieser Jahre Resignation sich breit machen wollte, die Meinungen weit auseinanderklafften oder die Finanzen den hochgehenden Erwartungen nicht zu folgen vermochten, der VMC Rheineck hatte immer wieder Steuerleute die es verstanden die Klippen zu umschiffen. Wenn auch die Zeiten entschwunden sind, als der Rheinecker Veloclub mit weit über einem halben Tausend Mitgliedern die grösste SRB-Sektion war, so gilt es beim heutigen Stand von 107 Mitgliedern nicht zu vergessen, dass vieles scheinbar einfacher und unbeschwerlicher geworden ist in unserem Dasein und eine Mitgliedschaft im SRB nicht mehr die offensichtlichen Vorteile bringt wie damals. Wer denkt heute noch daran, mit welchen Hindernissen ein Hinüberwechseln nach Gaißau mit dem Velo verbunden war?
Mit dieser Betrachtung möchte der Chronist seine Aufzeichnungen beenden. Er erhebt dabei keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit. Allzu vieles musste Stückwerk bleiben, sind doch die Protokollbücher ganzer Jahrzehnte unauffindbar geblieben. Deshalb hat er auch bewusst darauf verzichtet, allzu viele Namen zu erwähnen, zumal es ja von vorneherein nicht möglich ist, jedes Detail und jede Begebenheit festzuhalten. Mit einem Dank an alle die mir beim Zusammentragen des Materials ihre Unterstützung gewährten, rufe ich dem Velo-Moto-Club Rheineck ein kräftiges All Heil zu.
Der Chronist Ruedi Staub




